Rebranding

Condor streift seinen alten Look ab – und gewinnt damit neue Kunden.
2022 wagte die Airline einen radikalen Schritt.
Ein Design, das auffällt, gefällt und missfällt. Die bunten Streifen polarisieren, doch sie sorgen vor allem für eins: mehr Sichtbarkeit.
Gefühlt beherrschen die gestreiften Flieger heute sowohl den Frankfurter Flughafen als auch die Lüfte. Wer Condor sieht, erkennt Condor. Sofort.
Wer am Flughafen die Start- und Landebahnen beobachtet, sieht vor allem eines: weiße Flugzeuge mit austauschbaren Logos.
Viele Airlines investieren lieber in Lounges, Vielfliegerprogramme oder Business Class. Design spielt dabei meist nur eine Nebenrolle, hauptsache, das Logo steht irgendwo auf dem Rumpf.
Doch genau darin liegt eine Chance: Wer Design ernst nimmt, wer eine konsequente, wiedererkennbare visuelle Identität schafft, hebt sich sofort ab.
Ein besonders kluger Schachzug: Condor geht genau andersherum an die Gestaltung ran, als andere Airlines. Das Logo wurde bewusst dezent gestaltet und erst nachträglich auf den Flugzeugrumpf gesetzt, damit es die Wirkung der Streifen nicht überlagert.


Condor hat erkannt, dass Urlauber anders ticken als Geschäftsreisende. Für sie ist Fliegen kein Routine-Job, sondern der Start in etwas Besonderes: eine Hochzeit, eine Familienreise, eine Auszeit vom Alltag.
Also brachte Condor das Urlaubsgefühl schon ans Gate.
Die Streifen erinnern an Sonnenschirme, Handtücher, Strandkörbe. Sie stehen für Sonne, Meer, Inseln, Sand und Leidenschaft. Das clevere daran: Condor claimt nicht eine einzelne Farbe, sondern das Muster selbst. Egal welche Farbe, Streifen gehören Condor.
Der Verantwortliche für das Redesign Remo Masala betont, dass „die Zeichen der Zeit in Sachen Ästhetik, Design und Kommunikation verstanden werden müssen.“ (airliners.de) Genau das war das Fundament für Condors Rebranding: Man hat über 400 Entwürfe geprüft – Farbverläufe, Kreise, verschiedene Formen – bevor die Entscheidung für Streifen fiel.

Das Design endet nicht außen am Flugzeug. Es zieht sich konsequent durch: über Sitze, Decken, Amenity Kits, ja sogar Bierdosen.
Diese Konsistenz sorgt dafür, dass die Marke unübersehbar wird.
Und sie wirkt: Die Brand Awareness stieg innerhalb eines Jahres um rund 40 %. (Google Trends)
Condor zeigt damit, dass Wiedererkennung nicht teuer sein muss. Man muss nur mutig und konsequent sein.
Starkes Design ist nicht nur sichtbar, es öffnet Türen.
Durch die ikonischen Streifen ergeben sich völlig neue Möglichkeiten: Merchandise, Kooperationen mit Lifestyle-Brands (wie Happy Socks oder BrewDog), Social-Media-Shares.
Condor ist plötzlich Gesprächsthema – weit über die eigenen Kunden hinaus.
Und hier zeigt sich, was Branding wirklich ist:
Branding ist kein Logo. Branding ist ein System.
Es funktioniert wie ein Speicher im Kopf: Reize (Farben, Muster, Symbole) → Erinnerung → Vertrauen → Kauf.
Condor nutzt das perfekt. Die Streifen sind zum Code für „Urlaub“ geworden – sie transportieren sofort Emotionen. Und genau das macht eine Marke stark.






Bilder: Condor Shop
Die Resonanz unter meinem Linkedin Post zu dem Thema zeigt, wie sehr das Design Menschen begeistert – auch unabhängig vom Fliegen selbst.
Eine Reisende postete ein Foto einer Condor-Maschine in den Kommentaren, obwohl sie gar nicht mit Condor geflogen ist. Die Streifen sind ihr am Flughafen sofort aufgefallen. Offenbar so stark, dass sie das Design festhalten und teilen wollte.
Familien erzählen, dass die bunten Jets für Kinder fast schon zum Spiel geworden sind: „Mit welcher Farbe fliegen wir heute?“ – ein Erlebnis, das die Reise startet, bevor man überhaupt im Urlaub ist.
Natürlich kam auch Kritik: „Nur wegen der Streifen bucht doch niemand Condor.“ Und das stimmt – Branding ist keine Abverkaufskampagne.
Es geht nicht darum, dass jemand sofort bucht, nur weil er ein gestreiftes Flugzeug sieht. Aber genau hier liegt die Stärke: Branding ist eine langfristige Investition.
Wenn die Marke durch Sichtbarkeit, Emotion und Wiedererkennung im Kopf bleibt, entsteht Vertrauen. Und wenn später die Wahl zwischen verschiedenen Airlines ansteht, ist Condor nicht irgendeine Option, sondern eine, die positiv verankert ist.
Mut zahlt sich aus.
Condor hat gezeigt, dass man nicht die größte Airline sein muss, um die sichtbarste zu werden. Wer mutig investiert und Design konsequent denkt, gewinnt mehr als neue Kunden. Er gewinnt Aufmerksamkeit, Sympathie und manchmal sogar den Platz im Familienurlaubsspiel.
Remo Masala bringt es auf den Punkt: Wenn man eines Tages den Namen oder das Logo wegließe und Menschen trotzdem sofort erkennen würden, dass es Condor ist, dann hat das Rebranding wirklich funktioniert. (airliners.de)
Brand Design kann die klügste Investition für ein Unternehmen sein – wenn es strategisch gedacht ist.
Quellen
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